Logogramm Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen

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Wasserturm, Mannheim Die 50er und 60er Jahre

Den Anstoß zur Gründung des Wirtschaftsjuniorenkreises Mannheim-Ludwigshafen geben der damalige Kammerpräsident Dr. Hammerbacher und Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Schüle im November 1951. Sie regen bei den Firmenchefs in der Region an, junge Männer in Führungspositionen zu einer Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe zu animieren, um sie an die Kammerarbeit heranzuführen und ihnen eine Plattform für die Beschäftigung mit wichtigen aktuellen Themen " vorwiegend wirtschafts- und gesellschaftspolitische Grundsatzfragen " zu schaffen. Die Mehrzahl der Junioren ist in ihren Unternehmen mit speziellen Aufgaben betraut oder findet in ihrer Tagesarbeit nicht genügend Gelegenheit, sich mit überbetrieblichen Fragen auseinander zu setzen. Daher soll der Kreis den Nachwuchskräften die Möglichkeit bieten, in der Verantwortung für die Erhaltung der Funktionsfähigkeit unserer ökonomischen und gesellschaftspolitischen Lebensgrundlagen den Blick für die wichtigen über die Betriebstore hinausgehenden Fragen und Probleme zu schärfen, kritisch zu hinterfragen und die Jungunternehmer zur Mitarbeit bei der Lösung der anstehenden Probleme bewegen. Ein Überblick über die Tätigkeit des Kreises in den fünfziger und sechziger Jahren zeigt deutlich, dass die Arbeitswirklichkeit der Zielsetzung des Kreises bei der Gründung ziemlich genau entspricht. Eine bis zwei gesellschaftliche Veranstaltungen wie zum Beispiel "Bälle, Ausflüge etc." dienen der Intensivierung der persönlichen Beziehungen der Junioren.

Unter dem Motto "Verantwortung des Unternehmers für die Gesellschaft" findet man neben Wirtschaftsinformationen und Themen, die der beruflichen Weiterbildung dienen, z. B. Rhetorik und Verhandlungskurse. Bereits 1952 werden Themen wie "Die soziale Aufgabe des Unternehmers" , "Der Standort und die Aufgaben des Unternehmers in unserer Zeit" , "Die politische Aufgabe des jungen Unternehmers" "ein Ausspracheabend mit Richard Freudenberg, dem späteren Kammerpräsidenten" erörtert. 1954 macht Eschenburg "Politische Bemerkungen zur Funktion des Unternehmers" . Andere Schwerpunktthemen, die mit einer Reihe von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen behandelt werden, sind insbesondere "Technik und Wirtschaft" , "Die Freizeitgestaltung als Problem unserer Zeit" , "Finanzen in Staat und Wirtschaft" und "Der deutsche Außenhandel unter besonderer Berücksichtigung des Osthandels" . 1965 spricht Bundesminister Walter Scheel über "Wirtschafts- und Entwicklungspolitik" , 1969 der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministers des Auswärtigen, Dr. Jahn, über "Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland" und Ministerpräsident Dr. Kohl über "Die Zukunft der deutschen Demokratie" .

Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften

Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Gewerkschaften, ihren politischen, sozialen und wirtschaftlichen Funktionen in der Gesellschaft und den volkswirtschaftlichen Grundsätzen, von denen sich die Führung der Gewerkschaft leiten lässt. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Juniorenkreises liegt auf kommunalpolitischen Themen. 1954 macht man sich Gedanken über die "Zwischengemeindliche Zusammenarbeit im Rhein-Neckar- Raum" , 1959 und 1960 beschäftigt man sich mit den "Aufgaben des Raumordnungsplanes Rhein-Neckar" und der " Verkehrsplanung im Rhein-Neckar-Raum" , aber auch mit dem Spielplan des Nationaltheaters.

Internationale Juniorenarbeit

Der Blick der Wirtschaftsjunioren bleibt nicht innerhalb der Grenzen Deutschlands haften. Sie knüpfen durch Exkursionen ins Ausland Kontakte und freundschaftliche Beziehungen, so z.B. bei der dreitägigen Exkursion im Jahre 1954 in die Niederlande, wo der Juniorenkreis die Rheinmündungshäfen besichtigt. Durch Gespräche und Vortragsveranstaltungen mit einheimischen Fachleuten in den jeweiligen Orten, Betriebsbesichtigungen und durch das Kennenlernen der jeweiligen Kulturen wird das Verständnis für die Probleme der einzelnen Staaten geweckt und die internationalen Beziehungen verbessert. Der Erfolg dieser Begegnungen ist im folgenden Jahr 1955 eine Einladung der niederländischen Handelskammer an 100 junge Führungskräfte der deutschen Wirtschaft zu einem mehrtägigen lnformationsbesuch; Höhepunkte, die so heutige Junioren über Grenzen hinweg kaum noch erleben werden. Heinz Bloch, der Sprecher der Vorortekonferenzen, die später zum Bundesvorstand werden, ist zwei Jahre lang Mitglied unseres Kreises. 1956 findet die 4. Arbeitstagung der Juniorenkreise der deutschen Unternehmerschaft in Mannheim statt, wo der Präsident der IHK Köln in der Schlussveranstaltung über "Die Verantwortung der jungen Generation" spricht. Auf der Bundestagung der Juniorenkreise in Wiesbaden im Jahre 1961 hält Heinz Bloch vom Mannheimer Juniorenkreis das Hauptreferat "Die jungen Unternehmer zwischen gestern und morgen" . Die Junioren sollen über ihren Wirkungskreis hinaus den Blick in die Vielfalt der heimatlichen Region werfen und ihre mannigfachen Beziehungen zur Wirtschaft des ganzen Landes nutzen. Der Kreis vermeidet es, sich durch eine Satzung organisatorisch zu binden. 1958 übernimmt der Kreis die strenge JCl-Regel, wonach Junioren nach dem Erreichen der Altersgrenze von 40 Jahren ausscheiden müssen. Spontan gründen die ausgeschiedenen Mitglieder den "Kreis 58" , in dem sie bis heute untereinander aber auch weiterhin mit dem Juniorenkreis verbunden sind. Im Jahre 1960 wird der Kreis auch auf die linksrheinische Seite ausgedehnt. Bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum zählt er insgesamt 80 Mitglieder und 37 Gäste, meist ehemalige Junioren. Für die Wirtschaft bedeutet das Aufkommen der Neuen Linken und der immer mehr um sich greifenden politischen Unzufriedenheit, dass der Unternehmer als Berufsstand seinen bisher so unangefochtenen "sicheren Listenplatz" in der Gesellschaft verliert. Der Juniorenkreis erkennt, wie wichtig die Bereitschaft des einzelnen Juniors ist, sich in der Gesellschaft und in der Politik zu engagieren, und zwar bei jeder sich bietenden Gelegenheit, in der Öffentlichkeit wie im kleinen Kreis, im Elternbeirat, bei Nachbarn, bei Mitarbeitern im Betrieb, am Stammtisch oder in Clubs. Als neuen Leitsatz der Tätigkeit des Juniorenkreises könnte man den Satz ansehen "Wer heute nur Unternehmer ist, ist morgen keiner mehr" .

1952 - 2010 Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen
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