Logogramm Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen

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Wasserturm, Mannheim Die 80er Jahre

Anfang der achtziger Jahre fragen die Wirtschaftsjunioren in einer Reihe von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen maßgebliche Verantwortliche in der Politik, ob diese die Weichen für die Wirtschaft in der Zukunft richtig stellen und wie die Vorgaben für die Wirtschaft aussehen. Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel erläutert in seinem Vortrag über " Die soziale Marktwirtschaft "Grundlage einer Gesellschaft in Frieden und Freiheit" die politischen Rahmenbedingungen für ein günstiges Investitionsklima. Bundeswirtschaftsminister Dr. Otto Graf Lambsdorff bringt im Januar 1983 kurz nach der sogenannten "Wende" bei einer Veranstaltung unter dem Thema "Wirtschaftspolitik der 80er Jahre" den Wirtschaftsjunioren die "Lambsdorff-Thesen" zur Wirtschaftspolitik näher. Der Vorsitzende des Vorstandes der BBC AG, Dr. Herbert Gassert, und das Vorstandsmitglied des Großkraftwerks Mannheim, Dr. Wilhelm Schoch, referieren über "Wirtschaft und Gesellschaft im Jahre 2000, Voraussetzungen und Rahmenbedigungen heute" .

Weniger Staat mehr privat

Die alarmierenden Zahlen zur Staatsverschuldung, die Entwicklung der Verschuldung der Kommunen, die Schaffung einer übertriebenen staatlichen Nachfrage unter Hinwegsetzung über den privaten Leistungswillen sowie eine mangelnde Verwaltungsökonomie haben ein Thema zum Kristallationspunkt der Arbeit der Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen seit dem Jahre 1983 werden lassen: "Offensive für die Marktwirtschaft "Bessere Chancen für private Initiativen" oder plakativ ausgedrückt "Weniger Staat, mehr privat" . Als einen wichtigen und richtigen Schritt sehen die Wirtschaftsjunioren die Übernahme kommunaler Dienstleistungen durch die Wirtschaft an, da diese in der Lage ist, vergleichbare Dienstleistungen ohne Qualitätsverlust kostengünstiger zu erbringen. In einer Reihe von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen versuchen die Wirtschaftsjunioren, eine breitere öffentliche Akzeptanz für ihren Denkansatz zu gewinnen; sie bieten den Gemeinden ihre Hilfe an, einzelne Leistungsbereiche nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zu analysieren und unterbreiten gegebenenfalls Rationalisierungsvorschläge. Beginnend im März 1983 mit einem Vortrag von Stadtrat Roland Hartung, der zu Privatisierungsvorhaben und -möglichkeiten der Stadt Mannheim Stellung nimmt, bringen die Wirtschaftsjunioren mit der Podiumsdiskussion " Weniger Staat, mehr privat"."Sind Kommunen schlechte Unternehmen?" die Diskussion zwischen den beteiligten Gruppen in Gang. Unter der Gesprächsleitung von Chefredakteur Fritz Schlossareck diskutieren Karl-Heinz Schuhmacher, stellvertretender Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren; Oberbürgermeister Dr. Werner Ludwig; Prof. Dr. Eberhard Hamer, Leiter des Mittelstandsinstitutes Niedersachsen; der als Privatisierungspapst apostrophierte Bürgermeister von Georgsmarienhütte, Dr. Ludwig Siepelmeyer, und Herbert Bachmann, Stellvertretender Landesvorsitzender der ÖTV über die Frage, ob viele kommunale Aufgaben nicht besser von privater Seite erfüllt werden könnten. Als weitere Veranstaltungen im Rahmen "Offensive für die Marktwirtschaft" seien hier nur noch der Vortrag vom Wirtschaftsenator der Stadt Berlin, Elmar Pieroth, zum Thema " Was würde Ludwig Erhard heute tun?" und die Veranstaltung mit Dr. Armin Feit, Präsident des Bundes der Steuerzahler, erwähnt, der zur Frage " Der Staat ein miserabler Unternehmer?" Stellung nimmt. Die öffentliche Diskussion findet 1985 ihre Fortsetzung mit dem Streitgespräch zwischen Oberbürgermeister Gerhard Widder und Prof. Dr. Roland Vaubel von der Universität Mannheim, in dem Oberbürgermeister Widder deutlich macht, dass bei allzu starker Dominanz betriebswirtschaftlicher Kostenüberlegungen die Gefahr bestehe, dass die gemeinwirtschaftliche Komponente der öffentlichen Auftragserfüllung vernachlässigt werde. Wie schwierig es ist, konkrete Projekte der Privatisierung zuzuführen, müssen die Wirtschaftsjunioren bei der Mannheimer Krankenhauswäscherei erfahren. Trotz zahlreicher Gespräche mit den Verantwortlichen und der Vorlage von detaillierten Projektkalkulationen kann der Juniorenkreis nicht verhindern, dass die Stadt Mannheim einem Neubau der Mannheimer Krankenhauswäscherei den Vorrang vor der Vergabe der Wäsche zur Reinigung an ein privates Unternehmen gibt.

Wirtschaftsjunioren gehen auf die Straße:
der Zirkus um die 35-Stunden-Woche

Im Vorfeld des Kampfes um die 35-Stunden-Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich inszenieren die Wirtschaftsjunioren auf dem Paradeplatz in Mannheim sowie dem Ludwigshafener Rathausplatz ein Spektakel mit Tieren, Schauspielern, Sketchen, Lautsprecherwagen, Musik, Handzetteln, Prospekten und dekorativen Plakaten, um die Öffentlichkeit über die Konsequenzen aufzuklären, die die Einführung der 35-Stunden Woche auf Wirtschaft, Konjunktur und Gesellschaft haben würde. Mit Transparenten demonstrieren erstmals Unternehmer auf Straßen und Plätzen im Rhein-Neckar-Raum. Selbst die Gewerkschaftsseite zollt den Aktionen deutlichen Respekt. Der Award-Jury der Wirtschaftsjunioren ist unsere Aktion ein Sonderpreis wert, verliehen auf der Bundeskonferenz in Saarbrücken.

In mehreren Veranstaltungen informieren sich die Wirtschaftsjunioren über die bisherigen Maßnahmen und Investitionen der Wirtschaft unseres Raumes zum Umweltschutz, und zwar sowohl anhand einiger Betriebsbesichtigungen als auch durch Begehungen in Feld und Wald unter der Führung von Forstbeamten und anderen Sachverständigen. Diese Kenntnisse verwenden die Wirtschaftsjunioren in einer großen Diskussion mit Vertretern der Wirtschaft und mit Fachjournalisten in der Absicht, mit dieser Veranstaltung einen Beitrag zur Versöhnung von Ökonomie und Ökologie zu leisten und der Öffentlichkeit nahezubringen, welche erheblichen Aufwendungen die Wirtschaft bereits im Umweltschutz geleistet hat und dass Umweltschutz in modernen Industriegesellschaften nicht gegen die Industrie und die Technik, sondern nur gemeinsam mit ihr möglich ist. Mit der Verleihung eines Ökopreises im Jahre 1991 greifen die Wirtschaftsjunioren das Thema Umweltschutz wieder auf und machen in der Öffentlichkeit deutlich, dass auch mittelständische Unternehmen Umweltschutzmaßnahmen weit über die gesetzlichen Normen in ihrem Betrieb verwirklichen.

Manipulation durch Technik

Dass die Wirtschaft von neuen Technologien nicht nur profitiert, sondern auch verantwortlich mit ihr umgehen muss, machen die Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen in einer Veranstaltung im März 1987 zum Thema "Gentechnologie/Biotechnologie "Gefahren und Chancen" deutlich. In den 90ern wird das Thema aufgegriffen: Pater Dr. Heinrich Basilius Streithofen geht 1991 der Frage nach, inwieweit Wirtschaft und Ethik einen Gegensatz bedeuten. Er macht deutlich, wie wichtig im ständigen Wandel der wissenschaftlichen, technischen und politischen Lebensbedingungen und Denkweisen ethische Maßstäbe sind und fordert die Wirtschaft auf, Sinn und Zweck ihres Handelns immer wieder zu rechtfertigen. Ein anderer Schwerpunkt der Arbeit am Ende der 80er Jahre ist die Beschäftigung mit dem Thema "Europa 1992: Mehr Markt "mehr Wettbewerb" , dem Leitthema der Wirtschaftsjunioren Deutschland im Jahre 1989. Auf dem Weg zum europäischen Binnenmarkt informieren sich die Wirtschaftsjunioren in zahlreichen Veranstaltungen des Gesamtkreises und der Arbeitskreise über Konsequenzen des Binnenmarktes für die Wirtschaft, Aufgaben und Strukturen der europäischen Gemeinschaft und die zukünftige strategische Ausrichtung der Unternehmen. Bereits 1988 spricht Wolfgang Hermann, Deutsche Gesellschaft für Mittelstandsberatung, über "Europa 1992" Chancen erkennen und nutzen" ; Professor Wolfgang Ritter, Chefjurist der BASF AG, in "Europäische Institutionen und Programme 1992" . Nach seiner Einschätzung wird der Angebotsdruck innerhalb von Europa zu Anpassungsstrategien bei den Unternehmen führen. Roland Hartung, Geschäftsführer der Mannheimer Versorgungs- und Verkehrs GmbH (MVV), erläutert in seinem Vortrag " Fit für Europa " Der Einfluss europäischer Energiepolitik auf das Rhein-Neckar- Dreieck" die Vorbereitung auf den gemeinsamen Markt.

Internationale Juniorenkontakte

Auf dem JCI World Congress in Berlin im November 1981, der unter dem Thema " Ressourcen " Weltkonflikt oder Chancen zum Ausgleich" steht, organisieren die Wirtschaftsjunioren im Rahmen der German Night eine fulminante " Rhein-Neckar-Schau" , die von der reichbebilderten, mit viel Sorgfalt und Liebe zusammengetragenen Präsentation des Raumes mit seiner bedeutenden Wirtschaft und ihren weltbekannten Großunternehmen, mit ihren zahllosen Zeugen höchster alter Kultur und ihren schönen Landschaften zwischen Wäldern und Flüssen bis zu einem kurpfälzischen Buffet reicht, zu dem die Wirtschaftsjunioren " unterstützt durch die Kochkünstler der Mannheimer Feinschmeckerküche " ihre Kollegen aus mehr als 85 Ländern einladen. 1982 übernehmen die Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen die Vertretung der Wirtschaftsjunioren Deutschland beim European Multi Twinning (EMT), einem multilateralen Partnerschaftstreffen europäischer Juniorenkreise, die sich unter dem Leitmotiv " Europa leben und erleben" jährlich zu einer gemeinsamen Konferenz zusammenfinden, die neben thematischer Arbeit auch der gesellschaftlichen Begegnung dient. Diese Treffen auf internationaler Ebene schweißen die nur lose, das heißt ohne Satzung und Geschäftsordnung verbundenen Kreise " Alphen aan den Rijn (Holland), Luxembourg, Hasselt (Belgien), Villefranche (Frankreich), Kolding (Dänemark), High Wycombe (England), Malahide (Irland), Paisley (Schottland), Prato (Italien) und Mannheim- Ludwigshafen " eng zusammen. 1986, im achten Jahr des European Multi Twinning, folgen über 200 ausländische Gäste der Einladung der Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen zum EMT-Treffen, das unter dem Thema "Trade barriers between the EC countries, Europe between dream and nightmare" steht. Die Wirtschaftsjunioren fordern deshalb einen raschen Abbau der bestehenden nichttarifären Handelshemmnisse. Die Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen können mit diesem EMT-Wochenende dazu beitragen, in kleinem Maßstab Europa zu praktizieren, indem Gedanken ausgetauscht werden, zusammen gearbeitet und nicht zuletzt auch gemeinsam gefeiert wird. Zum 50-jährigen Jubiläum des Kreises Mannheim-Ludwigshafen ist deshalb der " EMT-ldee" ein ebenso erfolgreiches Bestehen zu wünschen.

1952 - 2010 Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen
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